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Träume unter Myriaden Sternen - Nachbericht 2003

Nacht der Poesie 2003

(eine Besucherin der Nacht der Poesie 2003)

Am Samstag, 23. August 2003 von 21.00-06.00 Uhr morgens fand sich der Erzähler der Nacht wieder auf dem heiligen Berg der Franken ein. Der Hamburger Schauspieler Rudolf Herget, bekannt beispielsweise als der Ankläger in Millers "Hexenjagd", oder durch die Titelrolle im "Kaufmann von Venedig", zelebrierte dabei auf dem Kreuzberg bereits zum dritten Mal eine Sprechkunst, die fast verloren ging: das poetische Erzähltheater, frei gesprochen, ohne Manuskript, auswendig rezitiert. Und rundherum die Silhouetten der Rhönberge, die Lichterketten der Wasserkuppe und der umliegenden Rhöndörfer. Ein atemberaubendes Panorama...

Diesmal meinte es Petrus gut mit den Organisatoren. Während sich im letzten Jahr eine kurzfristige Regenfront negativ auf die Entscheidung auswirkte, machte sich die trockene Witterung diesmal positiv bemerkbar. So konnten Rudolf Herget, Claus Schenk (Verein Naturpark und Biosphärenreservat Bayerische Rhön e.V.) und Gerhard Nägler (Stadt Bischofsheim) zahlreiche nächtliche Besucher auf dem heiligen Berg der Franken begrüßen. Deutlich über 500 sind es wohl gewesen. Nichts wurde es allerdings mit dem Sonnenuntergang, leider verhinderte eine Wolkenfront dieses immer wieder faszinierende Schauspiel der Natur. Dafür sollten die nächtlichen Besucher aber später mit einem prachtvollen Sternenzelt und einem wunderbaren Sonnenaufgang belohnt werden...

Von überall her waren sie gekommen. Aus Bischofsheim und den umliegenden Orten, aus Schweinfurt, aus Frankfurt und dem Hessischen, Urlauber, die sich gerade in der Rhön aufhielten. Vereinzelt waren sogar Zuhörer aus Oberbayern extra zur Nacht der Poesie angereist. Erstaunlich viele Kinder, junge Familien, Erwachsene in den Zwanzigern und Dreißigern und auch ältere Semester bevölkerten den heiligen Berg der Franken. Sie legten sich auf die mitgebrachten Isomatten oder Luftmatratzen und kuschelten sich in ihre Schlafsäcke, um den Ausführungen von Rudolf Herget zu lauschen. Viele wussten aus der Erfahrung, dass die nächtliche Kühle des Berges auch im Hochsommer nicht zu unterschätzen ist. Mit Märchen und Gedichten für die vielen Kinder startete Rudolf Herget die Nacht der Poesie. Dann eine nächtliche Reise durch Zeit und Raum:

Wir sind alle Kinder des Universums - aus Sternenstaub geboren.

Woher kommt das Universum? Wohin entwickelt es sich? Im Anfang gab es weder Zeit noch Raum. Dann sprengte das Universum in einem riesigen Feuerball auseinander und Zeit begann. Millionen Jahre vergingen ehe es uns gab. Jahrmillionen werden vielleicht noch nach uns sein. Irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft sind dem Menschen ein paar Sommer auf dieser Erde beschieden. Wir sind alle ein Teil dieses wunderbaren blauen Planeten. Die Bewahrung der Schöpfung - dieses Juwels im All - verpflichtet uns in Harmonie mit dem Kosmos zu leben. Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit Texten von Goethe, Schiller, Heine, Eichendorf, Lord Byron und Claudius. Und rundherum nichts als stille, dunkle Nacht.

Nicht fehlen durfte natürlich das Lieblingsstück Hergets: Antoine de Saint-Exupérys "Kleiner Prinz". Als dann René Webinger vom Planetarium Fulda Sternbilder erklärte war es bereits tiefe Nacht unter dem prachtvollen Sternenzelt. Manche schliefen schon fest, einige schnarchten sogar, doch auch das gehört zur Nacht der Poesie: nachdenken, entspannen, schlafen. Träume unter Myriaden Sternen....

Weiter ging's im Programm mit Texten von Ureinwohnern. Ein Punkt, der besonders die Art der Veranstaltung unterstreicht: eine kulturelle Begegnung, in welcher Mensch, Natur und Kultur Gegensätze überwinden. Vom Verständnis der Indianer oder den Maori für "Mutter Erde" könnten wir uns alle eine Scheibe abschneiden. Mit der Möwe Jonathan - wahrlich einem Mammut-Werk des freien Sprechens - und einem Streifzug durch die Lehre Galileis, die ihren dramatischen Höhepunkt mit dem Widerruf derselbigen erlangte, neigte sich die Nacht der Poesie dem Ende entgegen.

Als dann "Morning has broken" leise aus den Lautsprechern rieselte, lagen neun nächtliche Stunden, davon keine Minute langweilig, in 928 m Höhe, auf dem Gipfel des heiligen Berges der Franken, hinter den zahlreichen "Durchhaltern", die sich anschließend mit einem kräftigen Bergfrühstück belohnen konnten. Während hinter den drei Kreuzen die Sonne langsam und wundervoll den neuen Tag erwachen ließ...
Bis zum nächsten Mal, Erzähler der Nacht.

Nacht der Poesie 2.0

Liebe Freunde der Nacht!

2017 probieren wir einen Neustart am Kreuzberg. Allerdings etwas anders, als von den Nächten der Poesie mit Rudolf Herget bekannt. Der Verein Naturpark & Biosphärenreservat Bay. Rhön und die Stadt Bischofsheim veranstalten zusammen mit dem Sternenparkverein am Samstag, 15. Juli einen "Abend unter der Milchstraße". Geplant sind u.a. eine astronomische Einführung in den Sternenpark, animierte Bilder vom Hubble-Teleskop und Sternenpoesie mit Roland Müller.

Zu gegebener Zeit werden wir weitere Infos bekanntgeben. Bleiben Sie mit uns in Verbindung.

 

Gerhard Nägler, im Februar 2017

Nacht der Poesie